Arbeitseinsatz in Blekinge
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11.08.2024 Trelleborg (Skåne)
Manchmal passieren die schönsten Dinge ganz spontan. Diese Reise nach Schweden war genau so ein Fall. Ein ganzer Tag, der sich anfühlte wie ein Balsam für die Seele. Um 9:30 Uhr begann mein kleines Abenteuer am Fährhafen in Rostock. An Bord der Tinker Bell der TT-Line stand ich nach dem Boarding unter Deck und machte – ohne es zu wissen – das erste und zugleich letzte Foto vom Laderaum dieser Reederei. Warum ich danach und auch in Zukunft keine Bilder mehr machte und machen werde, dazu später mehr. Eigentlich war dieses Bild nur entstanden, weil die „Poleposition“ meines Autos so perfekt meine Stimmung widerspiegelte: ungeduldig in der ersten Reihe, voller Vorfreude, endlich wieder schwedischen Boden unter den Füßen zu spüren. Schon während der scheinbar endlosen Fahrt über das Hafengelände von Trelleborg kam dieses warme Gefühl des „Zurückseins“ auf. Herrlich! Das Meer, das Licht, die Luft - na gut, es riecht in Trelleborg manchmal „fischig frisch“. Alles erinnerte mich daran, warum ich Schweden so liebe. Von hier aus ging es weiter nach Saleboda, einem kleinen Ort, der für mich inzwischen eine irgendwie besondere Bedeutung hat. Und warum ausgerechnet Saleboda? Zwei Monate zuvor hatte ich ganz spontan Kontakt zu Beate und Hartmut aufgenommen. Damals war ich bei unserem ersten telefonischen Kontakt schon in Schweden, nur rund 35 km von den beiden entfernt in Grönvik. Wie es genau zu diesem Kontakt kam? Auch das erzähle ich später. Irgendwie fühlte ich damals, dass die schönsten Momente oft dann entstehen, wenn man ihnen einfach Raum lässt.
11.08.2024 Saleboda (Blekinge)
Die Fahrt von Trelleborg nach Saleboda war traumhaft. Schwedische Landstraßen, dichte Wälder, glitzernde Seen und im Ohr mein Lieblingspodcast „Elchkuss“. Diese Mischung aus vertrauter Stimme und neuer Umgebung war wie ein Soundtrack zu meinem kleinen Abenteuer in Saleboda. Saleboda ist ein winziges, idyllisches Dorf in der südschwedischen Region Blekinge. Hier ist die Welt noch ein bisschen langsamer, ein bisschen ursprünglicher. So war zumindest mein Gefühl. Nur eine knappe halbe Stunde entfernt liegt das berühmte Glasreich (Glasriket), eine Region, in der seit über 250 Jahren Glas geblasen wird. Zahlreiche Hütten und Manufakturen laden zum Zuschauen und Mitmachen ein, und die kleinen Orte drumherum sind voller Handwerkskunst und Geschichten. Als ich schließlich am Abend in Saleboda ankam, saß Beate schon vor ihrem Haus und empfing mich herzlich. Hartmut kam einen kleinen Moment später dazu. Ihr Lächeln und ihre Offenheit ließen mich sofort ankommen und so luden mich die beiden vor Jahren aus Deutschland ausgewanderten zu einer selbstgemachten Krebssuppe ein und zeigten mir ihr wunderschönes Zuhause – ein typisch schwedisches Holzhaus, warm und einladend. Während wir am Esstisch saßen, warteten wir noch auf Sandra. Sie war, wie ich, über Holiday4help auf Beate und Hartmut gestoßen. Holiday4help ist eine Plattform, auf der Reisende Unterkünfte oder Mithilfe bei Projekten finden können – eine Art Tauschbörse für Urlaub gegen Unterstützung. Man erlebt Land und Leute viel persönlicher und hilft gleichzeitig bei kleinen Arbeiten rund ums Haus, im Garten oder bei Projekten. Sandra war schon eine Woche in Saleboda, blieb insgesamt zwei und so überschnitt sich mein kurzer Aufenthalt mit ihrem. Noch bevor wir uns kannten, hatten wir nach einem ersten Telefonat (wir beide waren damals noch in Deutschland und Beate und Hartmut hatten uns per Mobilfunknummer verbunden) beschlossen, uns die Västkuststugan von Beate und Hartmut zu teilen. Eine Entscheidung aus dem Bauch heraus und genau richtig. Schon am ersten Abend merkten wir, wie gut wir harmonierten. Wir saßen auf der Terrasse der Västkuststugan, blickten über den Garten und auf den wunderschönen See und fanden unzählige Gemeinsamkeiten. Aus Fremden wurden in kürzester Zeit Freundinnen – eine dieser Begegnungen, die eine Reise noch wertvoller machen.
12.08.2024 Saleboda und Emmaboda (Blekinge)
Der nächste Tag begann so, wie wir es mit Beate und Hartmut vereinbart hatten: mit einem Arbeitseinsatz. Es war dieses angenehme und entspannte Aufstehen in Schweden – die Luft frisch, die Natur still, alles bereit für einen Tag voller Abwechslung. Ich pflückte gemeinsam mit Beate Äpfel aus den Bäumen vor dem Haus. Währenddessen schnitt Sandra Büsche und Bäume zurück. Hartmut war an diesem Vormittag in Karlskrona unterwegs, um einige Erledigungen zu machen. Karlskrona ist eine Hafenstadt an der Ostsee in Südschweden, berühmt für ihre Marinegeschichte und als UNESCO-Weltkulturerbe. Von Saleboda aus ist sie in rund einer Stunde erreichbar. Nach einer kleinen Pause machte ich mich daran, die Front des roten Schwedenhauses mit einem speziellen biologischen Reiniger von den Spuren der Witterung zu befreien. Beate erzählte mir dabei viel Wissenswertes über die traditionelle Falunrot-Farbe und wir führten ein richtig schönes Gespräch über Schweden, Natur und Häuser. Das klassische Schwedenrot, auch „Falunrot“ genannt, stammt ursprünglich aus dem Bergwerk von Falun. Es schützt das Holz, ist atmungsaktiv und verleiht den typischen skandinavischen Häusern ihre unverwechselbare Farbe. Als Hartmut aus Karlskrona zurückkam, starteten wir zu dritt den nächsten Einsatz: Vom eigenen Floß aus schnitten wir Schilf am Ufer zurück. Hartmut versorgte uns auch hier mit spannenden Informationen rund um Schweden – von Naturpflege bis Lebensart. Es war positiv anstrengend, aber auch meditativ, und der Blick vom Floß aus auf das Haus und den See war einfach wunderschön. Am Abend luden Beate und Hartmut uns noch auf eine Motorbootstour über den See bei Saleboda ein - über den Västersjön bis zum Kalvsjön, den wir über kleine Seitenarme erreichten. Wir glitten durch stille Buchten und vorbei an dichtem Schilf. Die Landschaft hier ist unglaublich – Wald, Wasser und Himmel scheinen ineinander überzugehen. Auch hier versorgten uns Beate und Hartmut mit Informationen rund um das Angeln in Schweden. Die beiden sind einfach herzlich. Abends fuhren Sandra und ich noch zum ICA Supermarkt nach Emmaboda, um ein paar Kleinigkeiten einzukaufen. Nach einem Tag voller Arbeit und Natur fühlte sich selbst ein Einkauf im Supermarkt wie ein kleiner Ausflug an – mit schwedischen Produkten in den Regalen, die wir in Deutschland nie sehen. Dem Tubenkäse konnte ich noch widerstehen, bei der Kaviarcreme aus der Tube bin ich dann schwach geworden. Direkt verspeist habe ich diese (für mich!) Köstlichkeit zurück in Saleboda, bei einem gemütlichen Abendessen am See.
13.08.2024 Malmö (Skåne)
Und dann war er da, der Tag der Abreise. Mit dem Fährticket der TT-Line in der Tasche verabschiedete ich mich frühmorgens aus Saleboda und machte mich auf den Weg nach Trelleborg. Die Natur war still, die Luft klar. Doch in meinem Kopf kreisten Gedanken, denn in den letzten Tagen hatte ich von Hartmut einige erschreckende Informationen über TT-Line erhalten. Am 22.10.2023 lief die Fähre Marco Polo von TT-Line vor Karlshamn in Südschweden auf Grund. Das allein wäre schon schlimm genug, doch das Schiff setzte die Fahrt fort und lief knapp fünf Kilometer später erneut auf Grund. Der Vorfall hatte erhebliche ökologische Folgen: Dieselöl lief aus, bildete einen kilometerlangen Teppich und erreichte Teile der Küste. TT-Line musste sich dem Umweltschaden stellen – die Reederei beauftragte Bergungsdienste sog. „Salvage“ und kooperierte mit der schwedischen Küstenwache (Swedish Coast Guard) und anderen Behörden. Wie stark das Wasser belastet wurde? Es liefen Diesel und leichtes Öl ins Meer, das sich über mehrere Kilometer ausbreitete, bevor das Schiff erneut auf Grund lief. Die Ölpest erreichte Küstenabschnitte, in denen auch Vogelpopulationen geschädigt wurden. Es wurden Öl-Barrieren sog. „oil booms“ ausgelegt, um die Ausbreitung zu begrenzen; viel Öl wurde aufgefangen, aber nicht alles. Die Bergung und die Maßnahmen zur Reinigung dauerten Wochen; an Land war die Reinigung der Küstenabschnitte länger nötig. In der Öffentlichkeit gab es starke Kritik – sowohl an TT-Line selbst, als auch an den Umständen, unter denen der Unfall passieren konnte (z. B. Navigation, Sichtverhältnisse, Reaktion). Viele Medien berichten über das Ausmaß des Umweltschadens, zeigen Fotos von verschmutzten Küsten, von Vögeln mit Öl und rücken hervor, wie wichtig präventive Maßnahmen sind, damit so etwas nicht wieder passiert. Und diese Informationen sind erst einmal ein erster Einstieg in dieses Thema. Mit diesen Gedanken im Hinterkopf entschied ich mich kurzfristig, nicht die TT-Line Fähre zurück zu nehmen, sondern über Land zu fahren. Ich legte mir nach einem Tipp von Hartmut ein ØresundGo-Konto an (empfehlenswert, wenn man die Øresundsbron und die Storebæltsbron öfter überquert). Ich machte jeweils Halt an Aussichtspunkten von denen aus man die Brücken sehen konnte: In Malmö beispielsweise am Luftkastellt – perfekt, um auch einen Sonnenuntergang zu beobachten. Ich wollte eigentlich noch länger in Schweden bleiben, doch irgendwann fuhr ich los – in genau jenen Sonnenuntergang hinein. Was ich mitnehme sind die Erinnerungen an drei wundervolle Menschen, bei denen sich der erste Kontakt gleich so anfühlte, als würden wir uns schon seit Jahren kennen.