Zwei Wochen Idre! Zwischen Fjäll und Wäldern

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11.07.2025 Malmö (Skåne)

Es war tief in der Nacht, als ich Kopenhagen hinter mir ließ und auf die Öresundbrücke zusteuerte. Schon von weitem glitzerten die Lichter über dem Wasser, wie ein leuchtendes Band in der Dunkelheit. Die Straße stieg leicht an, und plötzlich war ich über dem Meer, umgeben von Dunkelheit, Wind und ich wusste, Schweden ist nicht mehr weit. Und auch wenn ich die Storbæltbron und die Öresundbrücke jetzt schon ein paar Mal mit dem „Jahrespass“ überquert habe, so ist immer ein Stück Restspannung da: Erkennt die Kamera mein Kennzeichen? Öffnet sich die Schranke? Ja, sie tat es selbstverständlich auch dieses Mal wieder! Von Malmö ging es nordwärts an der Westküste entlang und je länger es dauerte, desto mehr verlor die Nacht ihre Schwärze. Gegen 3 Uhr begannen erste silberne Streifen am Horizont zu erscheinen. Da ist er wieder, der nordische Sommer, der es immer weiter nördlicher nicht wirklich ganz dunkel werden lässt. 

12.07.2025 Torsby (Vörmland)

Und da war sie wieder! Gleich am ersten Tag, eine Elch-Sichtung!

12.07.2025 Idre Bergbyn (Dalarna)

Nach einer langen Anreise bin ich heute Nachmittag bei strahlendem Sonnenschein und satten 28 Grad im Idrebyn angekommen. Eine Temperatur, mit der ich im hohen Norden Schwedens ehrlich gesagt nicht gerechnet hatte. Idrebyn liegt etwas außerhalb des Zentrums von Idre und befindet sich in direkter Nähe zum Golfplatz. Die Gegend zeichnet sich durch ihre ruhige, naturnahe Lage mit Blick auf Wälder und Berge aus. In den letzten Jahren hat sich das Gebiet stark entwickelt. Es entstehen viele neue Häuser, vorrangig aber als Ferienhäuser. Die moderne Bebauung kombiniert oft traditionelle Holzbauweise mit zeitgemäßem skandinavischem Design. Noch bevor das Holzhaus bezogen wurde, passierte aber etwas, für mich zu dem Zeitpunkt noch, Unglaubliches: Eine kleine Rentierherde spazierte seelenruhig entlang der Ferienhäuser, direkt auch an unserem vorbei. Ein wahrhaft nordischer Empfang und ein Erlebnis, das man nicht so schnell vergisst. Das Haus ist eines der neuen Ferienhäuser, die erst kürzlich gebaut wurden. Es ist modern, aber mit dem typischen Charme schwedischer Berghütten. Mit Holz, großen Fenstern, hellen Räumen und einer Terrasse mit Blick ins Fjäll. Es scheint ein guter Ort, um zur Ruhe zu kommen und nach den turbulenten und intensiven Arbeitswochen durchzuatmen und sich nur von den Kindern ablenken und „aufmischen“ zu lassen. Idre mit Idrebyn und Idre Fjäll selbst ist mehr als nur ein Skigebiet. Es ist ein Ganzjahres-Resort mitten in der herrlichen Wildnis von Nord-Dalarna, nahe der Grenze zu Norwegen. Hier treffen sich Outdoor-Enthusiasten, Familien und Naturliebhaber. Ich finde, dass das  also sehr gut passt! Im Winter locken Skipisten und Langlaufloipen, im Sommer Wanderwege, Mountainbike-Strecken, Reitpfade und klare Bergseen. Und natürlich, wie heute gleich erlebt, begegnet man hier auch mal Rudeln von Rentieren, die in dieser Gegend frei umherziehen. Der heutige Abend steht ganz im Zeichen der Frauenfußball-WM Schweden gegen Deutschland, aber die schwedischen Senderlisten hergeben irgendwie keine Übertragung her. Daher bin ich auf mein Handy umgestiegen, während draußen das Licht langsam goldener wird. Schweden, ich bin wieder da und freue mich auf die nächsten zwei Wochen.

13.07.2025 Idre Fjäll und Mulen (Dalarna)

Heute ging es vormittags nach Idre. Das erste coole Highlight wartete bereits. Dort lag tatsächlich noch Schnee vom diesjährigen „Idresprinten“. Das ist ein Langlauf-Skirennen, das jährlich direkt in Idre stattfindet. Es handelt sich dabei um einen Sprint-Wettkampf im Skilanglauf, der sowohl nationale als auch internationale Athleten anzieht. Für dieses Rennen wurde der Schnee extra angefahren und war bei 25 Grad Außentemperatur eine herrlich erfrischende Überraschung. Verrückt, im T-Shirt auf Schnee zu stehen und das mitten im Juli. Auf dem Platz stand außerdem noch der Midsommar-Pfahl, reich geschmückt, aber schon etwas verblüht und trocken, aber eben noch nicht abgebaut. Für mich eine schöne Erinnerung an Schwedens größte Feier des Jahres, Midsommer. Danach ging es nach Idre Fjäll. Dort fährt täglich der Fjälltåget (in diesem Fall kein Zug sondern ein Trecker mit Anhänger), der durch das Gebiet im Idre Fjäll fährt. Ein entspannter Weg, die Gegend kennenzulernen. Das Gebiet ist eines der bekanntesten Ganzjahres-Resorts in Schweden. Im Winter beliebt bei Skifahrern und Langläufern und im Sommer ein Paradies für Wanderer, Mountainbiker und Familien. Hier gibt es über 40 Skipisten, 200 Kilometer Langlaufloipen, markierte Wanderwege, ein Bikepark, Reitmöglichkeiten, Kletterwände, Elch-Safaris und vieles mehr. Viele der Ferienhäuser liegen idyllisch mit Blick auf das Fjäll, also ideal, wenn man gleich vor der Tür losziehen will. Danach ging es mit dem Auto weiter über die Fjällstraße durch das Nippfjället, eine der höchstgelegenen Straßen Schwedens, mit atemberaubendem Blick über das Fjäll. Ein absolutes Highlight. Das Nippfjället gehört zu einem der ältesten Gebirge Europas, geprägt von abgerundeten Gipfeln und arktischer Flora. Besonders bekannt dort ist der „Trollvägen“, der Trollstraße, auf der Autos angeblich „bergauf rollen“. Das funktioniert tatsächlich. Gang raus und das Auto rollt bergauf. Durch die optische Täuschung wirkt es so, als würde das Auto auch bergauf rollen. Aber wenn man der Magie glauben schenken möchte, dann sind es die Trolle, die das Auto schieben. Irgendwie ein schönerer Gedanke an Trolle als an eine optische Täuschung. Am Ende führte mich mein Weg zum Fuß des Mulen. Ein stiller, leicht mystischer Ort. Der Mulen ist ein markanter Bergrücken im südlichen Ausläufer des Nippfjällets, bei Wanderern beliebt, aber nicht überlaufen. Die Gegend hier ist Rentierland, das erklärte auch den Empfang am Ferienhaus in Idrebyn. Nach nur zwei Tagen waren es schon viele Rentiere, die den Weg kreuzten oder ich ihren. Zurück im Tal habe ich noch einen Stopp in Idre Himmelfjäll eingelegt, dem neuesten Skigebiet der Region. Dort gab es im Restaurant dann ein echtes Highlight für mich: Älgköttbullar! Deftig, würzig und mit Preiselbeeren natürlich. Geschmacklich irgendwo zwischen Wild und Abenteuer. Jetzt sitze ich wieder auf der Terasse, Füße hoch, ein kühles Getränk in der Hand und der Sonnenuntergang zeigt sich von seiner goldenen Seite. Aber an diesem Abend zeigten auch die kleinen Mücken, was sie drauf haben. Muss ja auch mal sein! 

14.07.2025 Nusnäs und Mora (Dalarna)

Was ist schon weit in Schweden? 150 Kilometer sind hier eine gemütliche Fahrt durch Wälder, an Seen vorbei und durch kleine, charmante Orte, in denen die Zeit manchmal stehen geblieben zu sein scheint. Das Ziel am heutigen Tage war Nusnäs, die Heimat der berühmten „Dalahästar“. Nusnäs liegt am Siljansee und ist der Inbegriff schwedischer Handwerkskunst. Hier kann man in den Werkstätten der Familien Nils Olsson und Grannas Olsson dabei zusehen, wie die ikonischen Holzpferdchen geschnitzt und von Hand bemalt werden. Jedes Pferd wird aus lokalem Holz gefertigt und liebevoll per Hand mit traditionellen Mustern verziert. Oft in kräftigem Falunrot, aber auch in Blau, Grün oder Weiß. Besonders spannend ist: Man darf selbst beim Bemalen zusehen oder sogar ein eigenes kleines Dalahäst gestalten. Zwischen Sägespänen, Farbtöpfen und jahrhundertealter Tradition habe ich mich unheimlich wohl gefühlt. Zur Realität am heutigen Tage gehört aber auch, dass es dort heute sehr voll war und daher lag etwas Betriebsamkeit in der Luft, die aber auch an solchen Hotspots dazugehört. Es hat sich trotzdem sehr gelohnt. Nach dem Werkstattbesuch meinte es das Wetter plötzlich sehr gut, allerdings fast zu gut. Tropisch warm, drückend, mit dunklen Wolken am Horizont. Wie sich später herausstellte, war es bis zu diesem Tag für diesen Ort der diesjährige Hitzerekord. Ich nutzte also die Gelegenheit und stieg am Siljansee auf das Glassbåtan, um dort Eis und eine kühle Cola zu kaufen. Danach ging es zu Fuß am Strandweg entlang bis zum Kinderspielplatz. Dann hatte ich mal wieder einen Adrenalin-Kick! Dunkle Gewitterwolken türmten sich auf und das Donnergrollen näherte sich. Zum Glück zog das Gewitter knapp vorbei, aber der Himmel blieb zunächst bewölkt. Der See dampfte fast vor Hitze und Feuchtigkeit und gab ein surreales Schauspiel aus Licht, Dunst und Wetter ab. Der Rückweg nach Idre wurde begleitet von Nebel überzogenen Seen, langsam abziehenden Gewittern und dem weiten Österdalälven, der wunderschön zwischen Wäldern dahinfloss. Kurz vor Åsen konnte ich nicht anders und ich musste anhalten. Das Licht war magisch! Goldene Sonnenstrahlen brachen durch die Wolken und den Nebel, und direkt neben der Straße stürzte ein kleiner Wasserfall in den Fluss. Ein perfekter Moment, iPhone raus und festhalten, was Worte alleine kaum beschreiben können. Dalarna hat an diesem Tag mehr gezeigt als nur Postkartenidylle. Es war eine Mischung aus Kultur, Natur, Hitze und einem Hauch Abenteuer. Und irgendwie typisch Schweden: ruhig, überraschend und einfach wunderschön.

15.07.2025 Idre Fjäll (Dalarna)

Der Tag begann mit Bergluft. Vormittags ging es zur Talstation Idre Fjäll einem der südlichsten Hochgebirgsorte Schwedens. Die neu eröffnete hochmoderne Gondelanlage brachte mich bequem und beeindruckend leise nach oben. Die Gondelbahn in Idre Fjäll heißt Wiberg Gondol (auch “Sydgondolen” genannt) und wurde 2022 eröffnet. Sie fährt vom Skicenter Syd zunächst zur Mittelstation Västbranten und weiter hinauf zum Gipfel von Idre Fjäll, der höchsten Erhebung im Gebiet und erschließt dabei große Teile der Pisten am Südhang. Sie transportiert sowohl Wanderer als auch Biker und ist ganzjährig in Betrieb. Jede Kabine bietet Platz für acht Personen und ist barrierefrei. Perfekt für Familien, Sportler und Naturliebhaber. Bereits unten an der Talstation tauchte plötzlich Martin Söderström, einer der bekanntesten schwedischen Mountainbiker auf. Ich hätte ihn nicht erkannt, wenn nicht direkt neben ihm ein Plakat seinen um 11 Uhr beginnenden Kurs ankündigte. Ein Blick in Instagram bestätigte, dass er direkt neben mir stand. Martin ist für seine spektakulären Tricks und Erfolge bei internationalen Slopestyle-Wettbewerben bekannt. Unter anderem bei Crankworx, wo er regelmäßig auf dem Podium landete. Heute wartete er auf die Auffahrt zu seinem Downhill-Kurs, der auf Idre Fjälls Strecken mittlerweile Kultstatus erreicht hat. Oben auf dem Berg genoss ich eine atemberaubende Aussicht über die umliegende Fjälllandschaft. Von bewaldeten Tälern bis hin zu fernen norwegischen Bergketten. Von dort aus, also von der Gipfelstation des Idre-Fjäll-Skigebiets auf rund 892 Metern Höhe, dem höchsten Punkt im Südhang des Skigebiets kann man auch den Städjan sehen. Er ist einer der eindrucksvollsten Berge Dalarnas. Mit seinen 1 131 Metern Höhe ragt er wie ein perfekter Kegel in den Himmel und wird wegen seiner Form oft mit einem erloschenen Vulkan verwechselt obwohl er geologisch keiner ist. Der Name “Städjan” leitet sich vom schwedischen Wort für „Amboss“ ab, was auf seine charakteristische Silhouette zurückzuführen ist. Nach einer Weile ging es wieder mit der Gondelbahn hinunter. Unten angekommen, steuerte ich das charmante Fäbodcaféet an, ein gemütliches Café im traditionellen Stil. Dort gab es eine echte schwedische Fika: frisch gebrühter Kaffee, eine knusprige Waffel mit Sahne und, ganz unkonventionell, ein Hot Dog zur Stärkung. Anschließend ließ ich mich über die Bergwiesen und Pisten durch den Trubel aus Mountainbikern und Wanderern treiben. Plötzlich tauchte eine Herde Rentiere auf, versammelt auf einem ungewöhnlichen Fleck, auf einem von zwei riesigen, mit Vlies abgedeckten Schneebergen mitten im Sommer. Dieses Phänomen ist kein Zufall, denn in Idre Fjäll wird über den Sommer Schnee für den Frühstart der Wintersaison konserviert. Das Vlies reflektiert Sonnenstrahlung und reduziert die Schmelze, sodass im Herbst schneller Loipen und Pisten präpariert werden können. Eine clevere Kombination aus Technik und Naturbewusstsein. Die Rentiere allerdings schienen den Schatten und die Kühle einfach zu genießen. Zum Abschluss des Tages ging es zurück ins gemütliche Ferienhaus, wo ich den Tag mit einer Dusche, etwas Lektüre und dem Sonnenuntergang über den Fjällbergen ausklingen ließ.

16.07.2025 Nipvallen Burusjön (Dalarna)

Der Tag begann früh und das war auch gut so! Das Ziel: Abkühlung im Burusjön. Der Burusjön liegt eingebettet zwischen Wäldern und Hügeln, etwa 20 Kilometer nordwestlich von Idre. Der See ist bekannt für sein glasklares Wasser, das sogar Trinkqualität hat, und seine ruhige, fast unberührte Lage. Besonders beliebt ist er bei Wanderern, Kanufahrern und allen, die einfach mal die Seele baumeln lassen wollen. Angler finden hier Forellen und Saiblinge. Der Burusjön ist außerdem auch für Familien mit Kindern sehr geeignet, weil das Wasser an den Badestellen viele hundert Meter ganz flach ist. Die Badestellen scheinen am Nachmittag nicht mehr darauf schließen lassen, dass der See noch als Geheimtipp durchgeht. Aber das macht nichts, am Vormittag hatte ich noch das Gefühl, einen Geheimtipp ausfindig gemacht zu haben, aber das Gefühl ließ am Nachmittag dann doch stark nach. Das war aber auch in Ordnung. Ich kann verstehen, warum so viele den Weg dorthin gefunden haben. Für heute waren 28 Grad angekündigt, das Thermometer zeigte am Ende sogar 30 Grad. Für schwedische Verhältnisse eine echte Hitzewelle. Der Sprung ins kühle Nass des Burusjön war daher nicht nur erfrischend, sondern absolut notwendig. Der See empfing am Vormittag mit spiegelglatter Oberfläche, umrahmt von grünen Kiefernwäldern und noch völliger Ruhe. Daher hier der Tipp: Früh morgens ankommen lohnt sich. In der Früh und vormittags hat man den See oft fast ganz für sich allein. Erst am Nachmittag trudeln weitere Badelustige ein. Für die bekannte schwedischen Sommeridylle waren es dann doch einige mehr. Es war also Zeit für den Aufbruch. Nach dieser wohltuenden Abkühlung ging es am Nachmittag zurück nach Himmelfjäll, perfekt für einen entspannten Cappuccino und Spielplatz-Ambiente. Mit Cappuccino in der Hand, Sonnenschein im Gesicht und fröhlichem Kinderlachen im Hintergrund lässt sich der Tag wunderbar ausklingen. Danach ging es zurück ins Ferienhaus. Ein schöner Sommertag in Schweden.

17.07.2025 Fulufjällets Nationalpark (Dalarna)

Eigentlich hätte der Tag früher starten sollen, so war zumindest der Plan. Doch wie das oft auf Reisen ist, hat sich die Realität auch heute nicht daran gehalten. Der Morgen begann also mit einer kleinen Verzögerung und einem schnellen „Frühstück to drive“ im ICA-Markt mit Kaffee und Brötchen, Käse und etwas Wurst. Um 8:30 Uhr ging es dann aber los, das Ziel fest im Blick: der Fulufjällets Nationalpark, der 55 Kilometer von Idre entfernt liegt. Der Fulufjällets Nationalpark gehört zu den jüngeren Nationalparks Schwedens (eröffnet 2002) und ist vor allem für seine unberührte Natur, das Hochplateau aus Sandstein und seine Wildtiere bekannt. Hier gibt es keine Straßen, keine Motorengeräusche nur Natur, Stille, Weite. Besonders beeindruckend ist, dass der Park Heimat der ältesten bekannten lebenden Einzelpflanze der Welt ist, der Fichte „Old Tjikko“, die auf rund 9.500 Jahre geschätzt wird. Aber das Ziel an diesem heißen Sommertag war der Njupeskär, mit 93 Metern der höchste Wasserfall Schwedens. Ein echtes Naturwunder, das man gesehen haben muss. Die Rundwanderung auf dem „Njupeskärleden“ zum Njupeskär ist mit etwa 5 Kilometern angenehm kurz und für Familien mit Kindern machbar und landschaftlich absolut lohnenswert. Der Weg führt zunächst durch alten, moosbewachsenen Nadelwald, dann entlang des rauschenden Njupån. Schon bald hört man das Donnern des Wassersfalls und dann öffnet sich das Tal, und der Nupjeskär zeigt sich in voller Pracht. Ein schmaler, tosender Wasserstrahl, der sich in einer engen Schlucht nach unten stürzt. Trotz der 31 Grad Außentemperatur umwehte einen hier ein kühler Sprühnebel, ein Hauch von Erfrischung inmitten der sommerlichen Hitze. Der Rückweg führte mich leicht bergauf über das Plateau, mit weitem Blick über Wälder und Fjälllandschaft. Und mir war schnell klar, dass eine Abkühlung her musste. Und die fand ich am Österdalälven, einem breiten, gemächlich fließenden Fluss, der sich durch die Landschaft zieht. Eine geeignete Badestelle fand ich kurz vor Idre. Also rein ins Wasser, herrlich kühl, erfrischend, belebend. Abgekühlt begann der Abend im Ferienhaus. Und auch hier noch ein Tipp zum Fulufjällets Nationalpark. Gerade im Juli, zur Haupturlaubszeit wird es da schon etwas „belebter“. Das war auch der Grund, warum ich eigentlich noch früher los wollte. Und trotzdem hatte ich zwischendrin Streckensbschnitte, in denen ich die volle Pracht des Fulufjällets genießen konnte.

19.07.2025 (Idre Fjäll und Himmelfjäll)

Nach einem ruhigen Tag gestern im Ferienhaus, nichts tun, nur lesen und gesund werden, ging es heute endlich wieder hinaus in die Natur. Der Morgen startete langsam, ganz ohne Eile. Genauso, wie es hier oben im Norden sein soll. Nach dem Frühstück ging es ins Idre Fjäll. So wie die letzten Tage herrschten auch weiterhin 30 Grad und zum Teil auch mehr. Die Sonne schien vom nahezu wolkenlosen Himmel. Anschließend zog es mich in das nahegelegene Himmelfjäll. Der Name ist hier Programm. Sanfte Pfade, lichtdurchflutete Wälder, weiche Flechten unter den Füßen und dieser ganz besondere Geruch von Kiefer, Moos und Freiheit. Ein kleiner Spaziergang wurde zu einer kleinen Entdeckungstour mit Elchlosung am Wegesrand. Nun steht ein ruhiger Abend im Ferienhaus bevor.

20.07.2025 Grävelsjön (Dalarna)

Heute stand ein Tagesausflug zum Grövelsjön auf dem Programm, einem der nördlichsten Seen Dalarnas, direkt an der norwegischen Grenze. Schon die Fahrt von Idre zum See war ein Erlebnis für sich. Der Weg führte über sanfte Hügel, weite Moorlandschaften, dichte Wälder und immer wieder der Blick auf die majestätischen Fjällberge. Auf den letzten Kilometern wird die Landschaft karger, ursprünglicher – und wunderschön einsam. Am Südufer des Grövelsjön angekommen, erwartete mich ein kleines Abenteuer. Da ich leider nicht im Voraus die Fährfahrt gebucht hatte, war diese ausgebucht. Das sollte aber genauso sein, denn ich konnte noch Plätze im „Båttaxi“ ergattern. Einem kleinen Motorboot, das Wanderer und Ausflügler über den See bringt. Der Service ist vor allem im Sommer sehr beliebt, um abgelegenere Startpunkte für Wanderungen zu erreichen. Die Überfahrt dauert etwa 20 Minuten und führt direkt über die schwedisch-norwegische Grenze – ganz ohne Passkontrolle, versteht sich. Der Bootsführer gab unterwegs sogar noch ein paar spannende Infos zur Geschichte der Gegend und den alten Sami-Pfaden rund um den See. Ein Stück weiter, in Richtung Svukuriset (auf norwegischer Seite), liegt das Wrack eines alten Militärflugzeugs, eine faszinierende, fast surreale Szenerie mitten in der Wildnis. Es stammt aus dem Zweiten Weltkrieg und wurde hier bewusst zur Notlandung gebracht. Ein Ort, der zum Nachdenken anregt. Nach dem Rückweg mit dem Båttaxi gab es eine verdiente Stärkung in der Sjöstugan Grövelsjön, einer gemütlichen kleinen Hütte mit fantastischem Blick über den See. Der „Älgburgare“, ein deftiger Elchburger mit Gemüsechips, war definitiv ein kulinarischen Highlights. Dazu eine kühle schwedische Bio Cola. Am Nachmittag bot das Ufer des Grövlan einen passenden Ort zum Verweilen. Dem Fluss, der den Grövelsjön nach Süden hin verlässt. Der Grövlan ist ein klarer, eiskalter Fjällfluss mit malerischen Kiesbänken, kleinen Kaskaden und wunderbaren Plätzen zum Verweilen. Wer mutig ist, kann die Füße ins erfrischend kühle Wasser halten. Die Stille am Flussufer, das Plätschern des Wassers und das leise Rauschen des Windes durch die Birken machten diesen Moment zu einem echten Innehalten. Auf dem Rückweg machte ich noch einen spontanen Halt an einem kleinen Wasserfall des Grövlan, direkt neben der Straße. Glücklich über diesen außergewöhnlichen Tag im Grenzland ging es dann wieder zurück ins Ferienhaus. 

21.07.2025 Lillnipen (Dalarna)

Auch heute strahlte die Sonne unermüdlich vom Himmel bei angenehmen 26 Grad. Seit Ankunft in Schweden begleitet mich das sonnige Wetter wie ein treuer Freund. Es ist fast, als wolle sich das Land von seiner allerbesten Seite begrüßen. Ich verrate an dieser Stelle aber nicht, dass es auch bei Regen und Sturm mein absolutes Lieblingsland ist und bleibt. Heute stand eine kleine, familienfreundliche Wanderung auf dem Plan und zwar auf dem sagenumwobenen Trollvägen, dem Trollweg, hinauf in die Berge des Nipfjället–Städjan-Gebiets. Dieser und viele anderen Wege führen in eine wunderschöne, ruhige Fjälllandschaft mit herrlichen Aussichten, bunten Flechten, und der einen oder anderen Rentier-Spur. Ziel der heutigen Mini-Wanderung war der Lillnipen, ein kleiner Nebengipfel des mächtigen Nipfjället. Der Name bedeutet in etwa „kleiner Nipp“ oder „kleiner Gipfel“ – und er ist ideal für Familien mit Kindern oder für alle, die es entspannt angehen möchten. Vom Parkplatz aus ist der Rundweg zum Lillnipen in etwa 1–1,5 Stunden machbar, je nach Pausen und Erkundungslust. Der Weg führt über gut erkennbare Pfade durch die Fjällheide. Besonders angenehm ist, dass sich schon nach kurzer Zeit sich ein weiter Blick über die umliegenden Hügel und auf das majestätische Städjan-Massiv bietet, das mit seiner fast vulkanisch anmutenden Kegelform das Panorama dominiert. Oben auf dem Lillnipen wehte ein leichter Wind, der die warme Sonne perfekt ausglich. Es war der ideale Platz für ein Picknick mit Ausblick auf die endlosen Weiten von Dalarna, das glitzernde Idresjön-Seegebiet in der Ferne und das satte Grün des Sommers. Die Natur hier ist still, aber lebendig. Auf dem Rückweg machte ich noch Halt bei einer besonderen Figur: dem Nipgubben. Der Nipgubben, wörtlich „der alte Mann vom Nippfjäll“, ist eine Sagengestalt, die an einem Rastplatz unweit des Parkplatzes steht. Einer alten lokalen Erzählung nach wacht der Nipgubben über das Fjäll, über Flora und Fauna und auch über jene, die hier unterwegs sind. Man sagt, wer ihm respektvoll begegnet, bekommt gutes Wetter und sichere Wege. Wer ihn aber verspottet oder seinen Platz beschmutzt, dem spielt er Streiche: plötzlicher Regen, verlorene Gegenstände oder unerklärlich lange Rückwege. Ich habe ihm jedenfalls freundlich zugenickt und bin mir fast sicher, er hat leicht zurückgelächelt. Ein wunderschöner Tag liegt somit hinter mir. Ein kleiner Berg, ein magischer Weg, und ein Tag voller Sonne. Schweden zeigt sich hier von einer ganz besonderen Seite. Der Lillnipen ist ein echter Tipp für alle, die Natur genießen wollen, ohne gleich eine Tagesetappe zu stemmen. Und wer weiß: vielleicht waren die Trolle wirklich ein Stück des Weges in der Nähe.

22.07.2025 Idre Fjäll (Dalarna)

Der Start in den sonnigen Morgen war leider etwas getrübt, aber irgendwie gehört das auch mal dazu. Der Plan war es, mit einem ruhiger und gemütlichen Spaziergang zu ein paar kleinen Seen in der Nähe von Idre zu starten. Das Wetter spielte mit, die Wanderlust war groß. Doch der richtige Weg dort irgendwie nicht auffindbar. Also habe ich den Rückwärtsgang eingeschmissen, gedreht und bin dann wieder zurück. Doch wie es oft so ist, führen Umwege zu neuen Entdeckungen. Statt an einem See fand ich mich schließlich in der Skill Area im Idre Fjäll wieder. Und das war unverhofft alles andere als ein schlechter Tausch. Die Skill Area ist ein Übungsgelände für Mountainbiker, ideal für Anfänger und Fortgeschrittene, die ihre Technik verbessern möchten. Auf einer kompakten Fläche findet man verschiedene Hindernisse wie Wellen, kleine Sprünge, enge Kurven und Balancierstrecken. Die Sektionen sind so angelegt, dass man sie je nach Können variieren kann. Perfekt, um sich auf größere Trails vorzubereiten oder einfach spielerisch ein paar Runden zu drehen. Besonders toll ist es, dass alles in die wunderschöne Fjäll-Landschaft eingebettet ist und mit herrlichem Panoramablick belohnt wird. Die Skill Area im Idre Fjäll eignet sich auch sehr gut für Kinder und Familien. Ein Highlight für Kinder ist der kleine Gravel-Pumptrack. Er ist flach, übersichtlich und macht richtig Spaß und ist perfekt, um spielerisch Balance und Kurventechnik zu üben. Alles ist so angelegt, dass man langsam beginnen und sich Stück für Stück steigern kann. Fortgeschrittenere Kinder (oder mutige Erwachsene) können sich dann später an etwas anspruchsvollere Hindernisse wie die rote Jump-Line oder den Rock Garden herantasten. Nach einem aktiven Tag schmeckt das Abendessen umso besser und das Vildmarksnästet hat wirklich nicht enttäuscht. In dem gemütlich eingerichteten Restaurant mit rustikalem Charme und offenem Kamin (der aber bei den heutigen 27 Grad nicht an war) gab es als vegetarisches Highlight: Confiterade Morötter“ – confierte Möhren, langsam in Öl gegart, mit Kräutern und einer wunderbar rauchigen Note. Dazu ein Klecks Joghurt, geröstete Körner und ein Hauch nordischer Wildnis auf dem Teller. Einfach köstlich. Als wäre der Tag damit nicht schon rund genug gewesen, gab es auf dem Rückweg ins Ferienhaus noch ein kleines Rentier-Wiedersehen. Mitten im kleinen Ort Idre tauchten plötzlich zwei Rentiere auf. Ganz ruhig und selbstbewusst spazierten sie über die Straße, als gehörte ihnen der Ort und irgendwie tut es das ja auch. Ein stiller Moment zum Innehalten, Staunen und dankbar sein. Zurück auf dem Sofa wartet heute das erste Halbfinale der Frauen-EM.

23.07.2025 Grundforsen am Glrälven (Dalarna)

Für diesen Tag waren 26 Grad angesagt und das hat man schon am frühen Morgen gespürt. Die Sonne stand bereits kraftvoll am Himmel, als ich mich auf den Weg nach Grundforsen machte, einem kleinen, idyllisch gelegenen Ort in Dalarna. Grundforsen liegt direkt am Görälven, einem glasklaren Fluss, der sich durch die üppigen Wälder der Region schlängelt und für seine ruhigen, naturbelassenen Streckenabschnitte bei Outdoor-Fans sehr beliebt ist. Hier hatte ich ein Kanu gemietet, mit dem ich einige Kilometer den Görälven entlangpaddeln wollte. Die Vorbereitung lief entspannt bis plötzlich ein sommerlicher Regenschauer einsetzte. Es war tatsächlich der erste Regen, den ich in dieser Zeit in Schweden erlebte. Und ehrlich gesagt: Es war herrlich. Einmal richtig nass werden. Die Luft roch nach feuchtem Moos, und der Regen fühlte sich an wie eine kurze, erfrischende Dusche inmitten der Natur. Kaum war das Kanu im Wasser, war der Regen auch schon wieder vorbei. Die Sonne kehrte zurück und spiegelte sich auf der ruhigen Wasseroberfläche. Nach der ersten ruppigen Phase des „Warmwerdens“ mit dem Kanu, glitt ich vorbei an dichten Wäldern, schräg wachsenden oder umgekippten Bäumen am Ufer und kleinen Stromschnellen, die das Abenteuer würzten. Ab und zu durchbrach das Rufen eines Vogels (oder öfter mal eines der beiden Kinder an Bord) die Stille. Kurz vor dem Ziel zeigte sich der skandinavische Sommer von seiner romantischsten Seite: Ein weiterer, kurzer Regenschauer überraschte, diesmal bei fast wolkenlosem Himmel. Fast unwirklich schön. Der Endpunkt war eine Anlegestelle nahe des Einstiegs zum Södra Kungsleden, dem südlichen Abschnitt des berühmten schwedischen Fernwanderwegs Kungsleden. Während der bekanntere nördliche Teil durch Lappland verläuft, bietet der Södra Kungsleden wilde, abgelegenere Natur, tiefe Wälder, klare Seen und eine vergleichsweise geringe Besucherzahl. Perfekt für alle, die Ruhe und Ursprünglichkeit suchen. Zufrieden, ein wenig müde, aber erfüllt von der Schönheit des Tages, ging es für mich zurück ins Ferienhaus. Dort wartete schon eine warme Dusche und ein eiskalter Kaffee. Schweden, du überraschst mich immer wieder.

25.07.2025 (Nipfjället-Städjan Naturreservat)

Heute war der letzte Tag in Idre und wie könnte es anders sein begann auch dieser Tag mit strahlendem Sonnenschein und sommerlichen 27 Grad. Perfektes Wetter für ein letztes kleines Abenteuer in der Natur. Also schnürt ich noch einmal die Wanderschuhe (na gut, es waren Sneaker, aber man sagt das doch so) und macht mich auf zu einer kurzen Tour durch das wunderschöne Nipfjället-Städjan Naturreservat. Immer wieder beeindruckend, wie klar und kraftvoll die Landschaft hier wirkt, selbst bei einem “nur kleinen” Spaziergang. Und währenddessen zeigte sich dann das Wetter von seiner schwedisch-dramatischen Seite. Rundherum zogen dunkle Gewitterwolken auf, begleitet von Donnergrollen und Regenschauern in der Ferne. In Idre selbst blieb es jedoch weiterhin trocken. Die angekündigten Stürme? Spürbar war davon nichts. Die Gondelbahn am Idre Fjäll, die noch einmal einen letzten Blick über die Fjäll-Landschaft hätte schenken sollen, fuhr aus Sicherheitsgründen wegen des angekündigten Sturmes nicht. Schade, aber nachvollziehbar. Stattdessen gab es Pizza draußen in der warmen Luft, ein kurzer Bummel und als krönender Abschluss ein Lakritzeis. Jetzt heißt es packen. Doch die Reise ist noch nicht ganz vorbei. Für die Rückfahrt sind ein paar kinderfreundliche Zwischenstopps eingeplant. Auch wenn ich Idre morgen verlasse, scheint es fast, als würden dem Regen der Platz überlassen werden. Der ist nämlich für morgen und die nächsten Tage inklusive Temperatursturz angekündigt. Ein perfekter Abschied und alles richtig gemacht.

26.07.2025 Dals-Ed (Västra Götaland)

Heute Morgen begann die Rückreise sehr früh. Um genau 5 Uhr habe ich Idre verlassen. Draußen regnete es, was fast schon symbolisch war. Ein stiller, ruhiger Abschied von der nordischen Weite und der rauen Natur dieses kleinen Ortes im Herzen Schwedens. Nach zwei Wochen Sonnenschein sollte es irgendwie genau so sein, wie es war. Das nächste Ziel war die Dalslands Moose Ranch in Dals-Ed, gelegen in Västra Götaland, mitten in der historischen Region Dalsland. Die Strecke dorthin führte durch dichte Wälder, vorbei an glasklaren Seen und über ruhige Landstraßen. Eine typische schwedische Kulisse, die trotz des grauen Himmels einfach zum Genießen war. Und je länger die Fahrt dauerte, desto blauer wurde der Himmel und da war sie wieder, die Sonne! In Dals-Ed angekommen, steuerte ich direkt die Dalslands Moose Ranch an. Ein Elchpark, der nicht nur bei Kindern für Begeisterung sorgt. Die Ranch gilt als eine der bekanntesten ihrer Art in Schweden. Sie bietet die Möglichkeit, den “König des Waldes” aus nächster Nähe zu erleben – ohne störende Zäune, sondern in einem weitläufigen Gelände, das den natürlichen Lebensraum der Elche nachempfindet. Die Tiere hier sind halbwild, was bedeutet, dass sie sich an Menschen gewöhnt haben, aber trotzdem weitgehend natürlich leben. Besonders spannend war, dass man bei einer Elchfütterung zusehen könnte und auch sogar selbst füttern durfte. Die majestätischen Tiere kamen bis auf wenige Meter, und wenn man sich traute auch wenige Zentimeter, heran. Ruhig, gelassen und mit ihrer beeindruckenden Erscheinung. Für die Kinder war das ein unvergessliches Erlebnis. Im Anschluss sorgte die etwa zwei Kilometer lange Tour rund um das Elchgelände dafür, sich die Beine vertreten zu können. Der Weg war gut ausgeschildert und auch für Familien gut begehbar. Immer wieder gab es kleine Info-Tafeln zur Lebensweise der Elche, zur Natur Dalslands und zur Geschichte des Parks. Nach der kleinen Tour sorgten dann noch Waffeln mit Blaubeeren und ein Kaffee für das absolute Wohlbefinden. Eben eine Fika - ohne Zimtschnecke, aber mit Kaffee! Nach dem Erlebnis in Dals-Ed ging es dann nach Vallda, einem kleinen Ort in der Nähe von Kungsbacka, südlich von Göteborg. Der Grund für diesen Zwischenstopp: Die Rückreise etwas entspannter und kinderfreundlicher gestalten und deshalb war Vallda als Unterkunftsort ideal gewählt. Die Unterkunft habe ich  über Airbnb gebucht. Ein gemütliches kleines Tiny- Häuschen, perfekt für den Zwischenstopp zur Erholung. Die Gastgeber waren freundlich und das Einchecken unkompliziert.

26.07.2025 Lerkil (Halland)

Nach einer langen Fahrt durch die malerische schwedische Westküste bin ich endlich in meiner Unterkunft in Vallda angekommen. Es war früher Abend, die Sonne stand schon tief, und die Luft roch nach Meer, Fichten und einem Hauch von Sommerabend. Die Unterkunft ist schlicht, gemütlich, modern, typisch skandinavisch und sie liegt ruhig. Genau der richtige Ort, um anzukommen und durchzuatmen. Mit Maria und Daniel, denen die Unterkunft gehört habe ich mich noch etwas länger unterhalten und sogar noch Tipps für den morgigen Tag abgestaubt. Und für heute Abend gab mir Daniel den Tipp, zum Abendessen nach Lerkil zu fahren. Das passte, denn ich hatte Hunger und Lust auf Meer. Also machte ich mich auf den Weg nach Lerkil, einem kleinen Küstenort, nur wenige Minuten entfernt. Dort, direkt am Hafen, entdeckte gibt es eine Pizzeria. Die Stimmung war lebendig. Auf der Terrasse saßen Menschen mit Getränken und lauschten der Live-Musik. Gitarrenklänge, ein wenig Folk, ein wenig Rock und Pop. Ich bestellte eine „Pizza to take away“ und eine eiskalte Cola und ging damit in Richtung Schären, der kleinen Felsinseln, die wie verstreute Edelsteine vor der Küste liegen. Dort, auf einem glatten Felsen mit Blick auf das offene Meer, machte ich es mir bequem. Der Himmel war inzwischen in goldene und rosarote Farben getaucht. Die Sonne senkte sich langsam über das Wasser, und der Horizont schien zu glühen. In der Ferne hörte ich noch immer die Musik vom Hafen. Es war, als würde der Abend ein kleines Konzert nur für mich geben.

27.07.2025 Kungsbacka und Grottskär (Halland)

Heute habe ich Kungsbacka erkundet. Ein charmantes Städtchen südlich von Göteborg, das mit seiner entspannten Atmosphäre, kleinen Gassen und typisch westschwedischem Flair überrascht. Mein Tag begann dort mit einem Frühstück am Stora Torget, dem historischen Marktplatz von Kungsbacka. In einem gemütlichen Café mit Blick auf das bunte Treiben habe ich mich für eine kleine Süßfrühstück-Variante entschieden: Apfel-Zimt-Kuchen, fluffige Pfannkuchen (natürlich mit Marmelade und Sahne!) und dazu dieses Mal statt Filterkaffee einen Cappuccino. Danach habe ich die Stadt auf eigene Faust ein wenig erkundet. Kungsbacka ist zwar klein, hat aber eine überraschend spannende Geschichte. Die Stadt wurde bereits im 15. Jahrhundert erwähnt und gehörte bis 1658 sogar zu Dänemark. Die charmante Altstadt mit ihren Holzhäusern im klassizistischen Stil ist gut erhalten. Ein Spaziergang durch die Norra Torggatan fühlt sich fast an wie eine Zeitreise. Heute ist Kungsbacka Teil der boomenden Metropolregion Göteborg, aber sie hat sich ihren kleinstädtischen Charakter bewahrt. Besonders schön ist der neu gestaltete Stadtteil Valand, wo modernes Wohnen, Cafés und Urbanität auf entspannte Weise zusammenkommen. Natürlich durfte mein persönlicher Klassiker nicht fehlen. Das Espresso House! Seit ich wieder weiter im Süden von Schweden bin, ist die Wahrscheinlichkeit eines in den doch dichter besiedelten Regionen zu finden. In dem dann doch dichter besiedelten Teil Schwedens hat sich die Kette stärker etabliert. Am Nachmittag ging es raus aus der Stadt. Grottskär, ein kleiner, fast versteckter Ort am Kungsbackafjord. Die Gegend ist typisch für die schwedische Westküste: glatte Granitfelsen, duftende Kiefern, vereinzelte Boote, Möwen über dem Wasser und ein beruhigendes Gefühl von Weite. Der Fjord ist Teil des Kattegatt, eines Meeresarms zwischen Schweden und Dänemark. In seiner Umgebung liegen viele Naturreservate, darunter das bekannte Tjolöholm Slott, ein englischer Schlossbau am Wasser. Das habe ich dieses Mal aber nicht besucht. Das hebe ich mir für einen anderen Zeitpunkt auf. Grottskär selbst ist beliebt bei Einheimischen zum Angeln, Spazierengehen und einfach zum Durchatmen und heute war es genau das, was ich gebraucht habe. Morgen ganz früh geht es auf die letzte Etappe Richtung Heimat. Ein bisschen Wehmut mischt sich in die Vorfreude, aber vor allem bleibt das Gefühl, dass Schweden mir wieder einmal viel Ruhe, Natur und kleine Glücksmomente geschenkt hat.

28.07.2025 Malmö (Skåne)

Leider ging die Schranke auf, als ich die Öresundbrücke passierte. Ich komme bald wieder!