An der Ostküste entlang nach Lappland
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17.05.2025 Malingsbo (Dalarna)
Mit dem Dachzelt ging es nach Schweden. Eigentlich sollte dieser Urlaub ein Wanderurlaub werden. Mehrere Etappen die Höga Kusten entlang. Aber die Vorbereitungen kamen zu kurz und so kam kurzerhand das Dachzelt, eine Thule Tepui, zum Einsatz und die spontane Suche nach Camping- und Stellplätzen und POIs. Nach einer entspannten Fahrt über Dänemark ging es zwischen dem Vänern und Vättern entlang weiter in den äußersten Zipfel von Dalarna. Eigentlich hat der Wetterbericht dann stark beeinflusst, wohin es ging. Das erste Ziel war eigentlich Jönköping und wurde aufgrund des Wetters kurzerhand verworfen. Da waren einfach zu viele Regenwolken auf dem Bildschirm. Weiter nördlich in Malingsbo in Darlana, da war das Wetter gut. Zwar etwas windig, aber sonnig. An Manlingsbosjön gelegen fand das Dachzelt Platz auf einem gemütlichen Campingplatz. Ruhig und gemütlich war es hier. Wundervoll! Aber hier ist nur eine Nacht geplant.
18.05.2025 Sandviken (Gävleborg)
Eigentlich war es nur ein kurzer Halt auf der Fahrt in den Norden - nur, um mir einen Cappuccino zu holen. Der Wind pfiff kräftig über den Parkplatz, so wie für diese Region auch angekündigt. Gerade als ich zurück zum Auto ging, wirbelte plötzlich ein großes Werbeplakat quer über den Asphalt. Ein echter Hingucker – nicht nur wegen seiner Größe, sondern weil es völlig außer Kontrolle durch dieGegend segelte. Reflexartig (oder vielleicht weil es mir zufällig glückte) fing ich das Plakat ein, bevor es auf die Straße geweht werden konnte. Da es offensichtlich nicht zu McDonald’s gehörte, brachte ich es in den nahegelegenen Supermarkt zurück, aus dessen Richtung es wohl gekommen war. Drinnen staunte die Mitarbeiterin nicht schlecht. Mit einem erleichterten Lächeln sagte sie: „Oh, das haben wir schon gesucht!“
18.05.2025 Docksta (Västernorrland)
Es gibt Abende, die wünsche ich mir öfter. Sonne, Ruhe und Gemütlichkeit. Und heute war einer dieser Abende. Auf dem traumhaften Campingplatz FriluftsByn, eingebettet zwischen dem Berg Skuleberget und dem still glitzernden Gällstasjön. Auf der einen Seite ragt der Skuleberget in den Himmel – ein Paradies für Wanderer und Kletterfreunde und morgen auch „meins“ – auf der anderen liegt der ruhige See, der mit seinem klaren Wasser so viel Ruhe ausstrahlt. Dazwischen: FriluftsByn. Ein wunderschöner und gleichzeitig sehr moderner Campingplatz. Schweden zeigt sich von seiner sonnigsten Seite. Ich machte es mir mit einem guten Buch auf meinem Campingstuhl bequem und genieße den Sonnenuntergang.
19.05.2025 Veåsand Skuleberget (Västernorrland)
Der Skuleberget an der schwedischen Höga Kusten ist mehr als nur ein Berg – er ist ein geologisches und kulturelles Wahrzeichen. Bei der heutigen Wanderung habe ich die perfekte Kombination aus herausforderndem Anstieg und traumhafter Aussicht erlebt: Aufstieg über den Södra Bergsstigen, Panorama-Rundgang über den Kalottstigen und Abstieg über den Grottstigen. Gestartet bin ich am Fuß des Skuleberget direkt vom Campingplatz FriluftsByn. Von hier aus folgte ich der blauen Route, dem Södra Bergsstigen, dem südlichen Bergpfad. Dieser Weg ist weniger steil, führt aber dennoch stetig bergauf durch einen wunderschönen Mischwald mit Felsformationen und moosbedeckten Böden. Der Weg ist gut markiert, relativ ruhig und bietet immer wieder kleine Aussichtspunkte auf das darunterliegende Küstengebiet. Und das Beste ist, dass Wandern außerhalb der Hochsaison einfach wunderbar ruhig ist. Am Gipfel angekommen, führt der Kalottstigen (rote Route) als Rundweg um das Gipfelplateau. Diese Panoramarunde habe ich mir nicht entgehen lassen und es hat sich absolut gelohnt. Er bietet spektakuläre Ausblicke auf die Ostsee, die Inseln im Skuleskogen-Nationalpark und das umliegende Küstengebiet. Der Name Kalottstigen bezieht sich auf die „Landkalotte“, die durch die postglaziale Landhebung entstanden ist. Für den Rückweg wählte ich den Grottstigen, der seinem Namen alle Ehre macht. Der steile, teils felsige Pfad führt vorbei an der berühmten Kungsgrottan, einer natürlichen Höhle, die angeblich einst Räubern als Versteck diente. Die Höhle habe ich über einen kurzen Abstecher erreicht. Sie bietet ein spannendes Kontrastprogramm zur Panoramaroute oben. Den Hinweis, dass sich dieser Weg eher für den Aufstieg und nicht so gut für den Abstieg eignet, habe ich oben zur Kenntnis genommen, aber erst beim Abstieg so wirklich realisiert, was mir der Verfasser dieser Nachricht sagen wollte. Der Abstieg über den Grottstigen ist anspruchsvoll. Die spektakuläre Umgebung mit ihren hohen Felswänden und engen Passagen macht diesen Abschnitt jedoch zu einem echten Abenteuer und ich habe es nicht bereut. Diese Wanderung ist eine absolute Empfehlung - auch für Wanderer des Höga Kustenleden einen Abstecher wert.
20.05.2025 Skuleskogen Nationalpark Entré Nord (Västernorrland)
Heute war einer dieser Tage, an denen die Natur hier deutlich macht, warum ich Schweden so mag. Ich habe den Skuleskogen Nationalpark erkundet. Der Skuleskogen Nationalpark liegt in Västernorrland und ist Teil des UNESCO-Welterbes Höga Kusten (Hohe Küste). Er wurde 1984 gegründet und umfasst etwa 30 Quadratkilometer unberührte Natur. Der Park ist geprägt von tiefen Wäldern, wunderschön gelegenen Seen, schroffen Granitklippen und der einzigartigen Küstenlinie. Natürlich habe ich an diesem Tag nicht den gesamten Nationalpark erkunden können. Daher steht eines schon fest: Ich komme wieder!
Gestartet bin ich am Nordeingang, wo ich mich zunächst auf die orange Route begeben habe. Der Pfad führte mich durch dichte Wälder und vorbei am See Tärnättvattnen. Das war eine perfekte Gelegenheit, kurz innezuhalten und die spiegelglatte Oberfläche zu bestaunen. Momente, die mich in der aktuellen hektischen und anspruchsvollen Zeit beruhigen. Hier habe ich ganz besonders an einen tollen Menschen gedacht. Mein Moment, um noch einmal die vergangenen Tage und Wochen Revue passieren zu lassen. Weiter ging es zur Slåttdalsskrevan, einem der spektakulärsten Highlights des Parks. Diese rund 200 Meter lange und bis zu 40 Meter tiefe Felsspalte wirkt wie ein uraltes Tor zwischen zwei Welten. Die steilen Wände, mit Flechten überzogen, lassen einen ehrfürchtig verstummen. Ein Ort, an dem man die Kraft der Natur regelrecht spürt. Nach der Schlucht wechselte ich auf die blaue Route, die mich hinunter zu den Tärnättholmarna führte – kleinen Inseln und Klippen direkt an der Ostsee. Der Blick aufs offene Meer war einfach atemberaubend. Der Rückweg verlief ebenfalls auf der blauen Route, direkt entlang der Ostsee. So hatte ich das Meeresrauschen einige Kilometer dicht neben mir. Der Weg führte über Stege, Felsen und Wurzeln, sehr abwechslungsreich und wildromantisch zugleich. Ein Funfact: Es begegneten mir Wanderer, mit denen ich gestern bereits ein Stück den Skuleberget bestiegen habe. Nach einem kurzen Pläuschchen ging es weiter zurück zum Ausgangspunkt und zugleich dem Ende des heutigen Wandertages bei herrlichem Sonnenschein.
21.05.2025 Örnsköldsvik (Västernorrland)
Örnsköldsvik entpuppte sich für mich heute Morgen als kleiner Geheimtipp für Naturliebhaber und Wintersportfans. Auf dem Hausberg, dem Varvsberget habe ich nicht nur die beeindruckenden und unterschiedlich großen Skisprungschanzen besichtigt, sondern auch die noch mit Schneeresten gefleckte Skipiste auf der Rückseite des Varvssberget und das mitten im Frühling. Also zumindest nach meinem Verständnis für Frühling. Immerhin halbes heute wenige Kilometer weit nördlich im Norden von Schweden geschneit. Der Varvsberget erhebt sich direkt westlich des Stadtzentrums und ist eines der Wahrzeichen Örnsköldsviks. Bekannt ist der Hügel vor allem durch seine Skisportanlagen. Allen voran die Skisprungschanzen, die sich steil in den Hang schmiegen und Sportgeschichte atmen. Hier trainierten bereits viele junge Talente, einige davon schafften sogar den Sprung in die Weltelite. Die größte Schanze, die Paradiskullen, wurde schon in den 1960er Jahren erbaut und seither mehrfach modernisiert. Auch heute noch finden hier regelmäßig Wettkämpfe und Trainings statt. Es ist ein wirklich beeindruckender Ort, selbst wenn gerade kein Springer in der Luft ist. Allein der Blick vom Schanzenanlauf über die Dächer von Örnsköldsvik bis hinunter zum Fjord ist den Aufstieg wert. Örnsköldsvik, oft liebevoll „Ö-vik“ genannt, ist eine charmante Küstenstadt in der Region Ångermanland und Teil des UNESCO-Weltnaturerbes Höga Kusten, der Hohen Küste. Der Blick auf die Ostsee, die Nähe zu den Schären und die waldreichen Hügel machen Örnsköldsvik zu einem idealen Ausgangspunkt für Outdooraktivitäten.
21.05.2025 Skeppsmalen (Västernorrland)
Auf meiner Reise durch den Norden Schwedens und auf der Suche nach Sonne und der Flucht vor dem Regen habe ich einen ganz besonderen Ort entdeckt, der zwar klein, aber voller Charme ist.Skeppsmalen! Dieses winzige Fischerdorf liegt direkt an der Höga Kusten, der Hohen Küste, etwa 30 Kilometer südöstlich von Örnsköldsvik in Västernorrland. Ein Ort, der so abgelegen wie malerisch ist.Skeppsmalen war früher einmal ein lebendiges Fischerdorf. Die traditionellen roten Holzhäuser und Bootshütten direkt an den Felsen vermitteln das Gefühl, als hätte sich hier in den letzten hundertJahren kaum etwas verändert. Obwohl ich hier zum ersten Mal war, habe ich das Gefühl gehabt, dass es früher auch genauso ausgesehen haben muss. Und genau das macht den Reiz aus. Die kleineFischerkapelle aus dem 18. Jahrhundert ist ein stiller Zeitzeuge vergangener Tage. Auch das Fischereimuseum (Fiskevistet) ist sicher einen Besuch wert, aber leider war es an diesem Tag geschlossen.Das nächste Highlight meines kurzen Aufenthalts war dann die kleine Wanderung entlang der Küste. Der Weg startet direkt im Dorf und führt über Felsen, Holzstege und durch windgebeugte Kiefernwälder,immer mit Blick auf die schroffen Küstenlinien und das offene Meer. Die Luft ist salzig, frisch, und das Rauschen der Wellen begleitet einen die ganze Zeit. An mehreren Stellen gibt esAussichtspunkte, von denen man einen fantastischen Blick über das Bottnische Meer hat. Besonders eindrucksvoll ist die Landschaft hier durch die Landhebung. Nach der letzten Eiszeit hebt sich dieLandmasse noch immer langsam an etwa 8 mm pro Jahr. Und auch wenn es eigentlich nur ein Highlight geben kann, so gab es heute neben dem zweiten auch noch das dritte. Am Wegesrand stand plötzlich(also für mich plötzlich) ein Elch. Vermutlich noch ein junger Elch. Eine sehr schöne Begegnung.
21.05.2025 Umeå (Västerbotten)
Gestern bin ich in Umeå nach einer angenehmen Anreise angekommen und froh, mein kleines Zuhause auf Zeit zu beziehen. Über Airbnb hatte ich im Voraus eine gemütliche Unterkunft gebucht. Nicht zuletzt, weil für die nächsten Tage Regen angesagt war und ich lieber ein festes Dach über dem Kopf haben wollte. Es hat sich gelohnt. Die Unterkunft ist modern und liebevoll eingerichtet. Perfekt und empfehlenswert.
22.05.2025 Umeå-Nydalasjön (Västerbotten)
Der heutige Tag begann grau und verregnet. Typisch nordschwedisches Wetter, das einen eigentlich zur gemütlichen Fika mit Buch (da habe ich mir einen Schwung mitgebracht) im Warmen einlädt. Doch als sich am frühen Nachmittag die Wolken kurz verzogen und auch der Wetterbericht eine Regenpause ankündigte, nutzte ich die Gelegenheit, um frische Luft zu schnappen und dem Nydalasjön einen Besuch abzustatten. Ein kleiner See am Rande von Umeå, der mit seinen gut ausgebauten Spazierwegen und der ruhigen Atmosphäre einen Besuch wert war. Der Nydalasjön liegt östlich des Stadtzentrums. Die Umrundung des Sees ist etwa 10 Kilometer lang und mit Blick auf die Regenpause perfekt für einen ausgedehnte kleine Wanderung. Die Wanderung um den Nydalasjön war überraschend abwechslungsreich. Auf der Westseite führte der Weg durch lichte Wälder, immer wieder mit schönen Ausblicken aufs Wasser, vorbei an Picknickplätzen und kleinen Badestellen. Doch je weiter ich mich auf die Ostseite des Sees bewegte, desto seltsamer wurde die Szenerie. Dort stehen mehrere leerstehende Häuser, manche offensichtlich schon länger verlassen. Einige Fassaden sind mit buntem Graffiti verziert, andere zeigen Spuren nächtlicher Treffen. Zerbrochene Fensterscheiben, zurückgelassene Möbel. Der Kontrast zur Natur ringsum war frappierend. Zwischen Birken und Tannen auf verlassene Gebäude zu stoßen, wirkte fast surreal. Es hatte etwas von einem vergessenen Filmset oder von einer Szene aus einem skandinavischen Krimi. Aber das ist ja ganz meins, als True Crime- und Lost Place-Liebhaberin. Ich bin froh, an der einen oder anderen Stelle den Weg gegen einen kleinen Pfad getauscht zu haben, der mich durch diese Szenerie führte. Umeå ist eine lebendige Universitätsstadt im Norden Schwedens, bekannt für ihre junge Bevölkerung, kulturelle Vielfalt und die Nähe zur Natur. 2014 war sie sogar Kulturhauptstadt Europas. Trotz ihrer Lage nahe dem Polarkreis hat Umeå eine erstaunlich dynamische Atmosphäre, nicht zuletzt durch die vielen Studierenden. Von dieser Atmosphäre habe ich wetterbedingt nur erahnen können, wie intensiv diese sein kann, wenn das Wetter die Menschen nach draußen treibt.
23.05.2025 Trundön (Norrbotten)
Bei herrlichstem Sonnenschein bin ich auf der kleinen Insel Trundön in der Provinz Norrbotten angekommen. Den Sonnenschein habe ich gestern bereits im Wetterbericht fest im Visier gehabt und hier gefunden. Trundön liegt in der Bottenwiek, einem Teil der nördlichen Ostsee, unweit von Luleå. Die Insel ist bekannt für ihre Ruhe, dichten Wälder, Felsufer und die Nähe zum Schärengarten. Schon bei meiner Ankunft wurde ich herzlich von Jenny und ihren beiden Hunden und dem Hund ihres Bruders empfangen. Sie wohnt mit Tobias auf einem wunderschönen Grundstück, auf dem sich auch meine Unterkunft befindet: ein kleines, rotes Schwedenhaus. Umgeben von Kiefern, Felsen und dem Plätschern des Wassers fühlte ich mich sofort angekommen. Ein Highlight ist übrigens die wirklich liebevoll und schick eingerichtete Outdoor-Toilette, eine umweltfreundliche und wasserlose Toilettenlösung mit einer sog. Nutzungsanleitung. Am Abend wurde es dann richtig schwedisch gemütlich. Die holzbefeuerte Sauna, die zur Unterkunft gehört, wartete nur darauf, eingeheizt zu werden. Gesagt, getan! Mit Blick auf das Wasser, eingehüllt in das leise Knistern des Feuers war das ein perfekter Ausklang für den ersten Tag hier auf Trundön. Noch habe ich mich nicht in die Ostsee, bzw. in den Storfjärden vor Trundön, gewagt, aber das hebe ich mir für morgen auf. Ebenso wie eine ausgiebige Kajaktour, auf die ich mich besonders freue. Die Ruhe, das Licht, die Natur. Trundön hat mich vom ersten Moment an verzaubert. Ich bin gespannt, was der morgige Tag bringt. Doch eins ist sicher: Ich werde auch weiterhin den Wetterbericht im Auge behalten und schauen, wohin es mich verschlägt. Ich habe einen Plan und bin gespannt, ob dieser Plan aufgeht.
24.05.2025 Vidsel Storforsen (Norrbotten)
Heute früh bin ich mit einem wunderbaren Blick auf das Wasser aufgewacht. Draußen schnupperte der Husky meiner Gastgeber erwartungsvoll in die kühle Morgenluft und begrüßte mich freundlich mit wedelndem Schwanz. Besser kann ein Tag kaum beginnen. Nach einem kurzen Frühstück ging es los. Ziel waren die beeindruckenden Stromschnellen von Storforsen, eines der größten Stromschnellengebiete Europas. Der Weg dorthin führte durch dichte Wälder und über einsame Straßen, bis schließlich das donnernde Rauschen der Wassermassen zu hören war. Sehr beeindruckend! Storforsen liegt im Norden Schwedens, etwa 40 Kilometer nordwestlich von Älvsbyn in der Provinz Norrbotten. Der Piteälven tost hier mit einer gewaltigen Kraft durch ein breites Flussbett auf einer Länge von über 5 Kilometern stürzt das Wasser insgesamt rund 82 Meter in die Tiefe, wobei allein auf dem letzten Kilometer ein Höhenunterschied von 60 Metern überwunden wird. Besonders beeindruckend ist die ungezähmte Natur. Die Stromschnellen sind nicht reguliert oder durch Kraftwerke gestaut. Sie fließen völlig frei. Rund um die Fälle gibt es gut ausgebaute Holzstege und Aussichtspunkte, die mir das Naturspektakel aus nächster Nähe erlebbar machten. Selbst bei sicherem Abstand spürte ich die Gischt im Gesicht und das Beben des Bodens unter den Füßen. Nach diesem Tag voller Eindrücke und frischer Luft war die Rückkehr zur Unterkunft fast wie das Eintauchen in eine warme Umarmung. Die Sauna wurde noch einmal angeheizt Während draußen langsam die Dämmerung über das Wasser zog, habe ich den Tag mit meinem Buch ausklingen lassen.
Zwischendurch hatte ich noch die Idee, Surströmming zu probieren. Diesen legendären schwedischen fermentierten Hering, der für seinen extrem intensiven Geruch berühmt (oder berüchtigt) ist. Die Dose ist berüchtigt dafür, nur im Freien geöffnet zu werden, am besten weit weg von anderen Menschen, mit Windrichtung im Blick. Die Sicherheitsvorkehrungen (und der Respekt vor dem Geruch) sind nicht zu unterschätzen und so habe ich beschlossen, dieses kulinarische Abenteuer auf einen anderen Moment zu verschieben. Ein ruhiger Abend mit Sauna und Buch erschien mir in diesem Fall doch die bessere Option.
25.05.2025 Arvidsjaur Grodkällan (Norbotten)
Heute bin ich früh aufgebrochen, denn eine lange Etappe Richtung Östersund stand an. Am Abend zuvor hatte ich meiner Gastgeberin von meinen Reiseplänen erzählt und bekam gleich einen großartigen Tipp: Wenn ich ohnehin durch Arvidsjaur käme (na gut, es war schon ein Umweg), sollte ich unbedingt einen Abstecher zur Grodkällan machen. Der Name sagte mir zunächst nichts, aber ihre Begeisterung war ansteckend und so wurde Grodkällan mein erstes Ziel des Tages, insbesondere als ich recherchierte und gesehen habe, was mich dort erwartet. Grodkällan, auch bekannt als „Froschquelle“, ist eine kristallklare Quelle tief im Wald bei Arvidsjaur. Also machte ich mich auf den Weg durch das Landesinnere. Die letzten 25 Kilometer vor Grodkällan führten über eine Schotterstraße, die sich durch dichte Wälder, Lichtungen und entlang kleiner Seen und Flüsse schlängelte. Ich fuhr langsam, nicht nur wegen der Straße, sondern auch, weil ich die Landschaft einfach genießen wollte. Pure nordschwedische Idylle! Angekommen an Grodkällan, wurde mir klar, warum meine Gastgeberin so geschwärmt hatte. Die Quelle liegt eingebettet in absolute Stille – kein Verkehrslärm, nur das leise Plätschern und das Rauschen des Waldes. Ich blieb eine ganze Weile dort und bewunderte das, was ich dort sah. Das türkisfarbene Wasser hat fast schon etwas Magisches. Es ist so klar, dass man den Grund meterweit sehen kann. Die Quelle liegt still und abgelegen inmitten eines Kiefernwaldes und ist wahrlich erlebenswert und das nicht nur wegen seiner einzigartigen Farbe und Reinheit faszinierend, sondern sie hat auch kulturelle Bedeutung für die Sami, das indigene Volk der Region.
Die Fahrt durchs Landesinnere war landschaftlich ein echtes Highlight. Schon auf der E45 ließ die Natur erahnen, was mich weiter nördlich erwarten würde. Plötzlich überquerte eine kleine Rentierherde gemächlich die Straße. Ich hielt an, ließ sie in Ruhe vorbeiziehen und genoss meine erste Sichtung. Ihre Gelassenheit wirkte ansteckend.
25.05.2025 Östersund (Jämtland)
Nach einer längeren, aber wunderschönen Fahrt durch das Landesinnere bin ich am Abend in Östersund angekommen, einer charmanten Stadt im Herzen von Jämtland, mitten in Schweden. Mein Ziel war klar: das berühmte Skistadion von Östersund, denn als Biathlon-Fan wollte ich diesen traditionsreichen Ort endlich einmal mit eigenen Augen sehen. Das gesamte Gelände ist frei zugänglich. Ich war überrascht - kein Zaun, keine Schranken – einfach durchgehen und die Atmosphäre aufsaugen. Das Stadion liegt am Stadtrand, eingebettet in wunderschöne Natur. Obwohl keine Wettkämpfe stattfanden, hatte ich Glück: Während meines Besuchs fand tatsächlich ein Schießtraining statt. Das Biathlonstadion Östersund, auch bekannt als Nationalarena för skidskytte, ist das Herzstück des schwedischen Biathlons. Es wurde mehrfach modernisiert und ist regelmäßig Austragungsort von Weltcup-Rennen und sogar Weltmeisterschaften, zuletzt 2019. Die Anlage ist ganzjährig in Betrieb und wird sowohl von Profis als auch von Hobbysportlern genutzt. Besonders bemerkenswert: In Östersund beginnt traditionell die Biathlon-Weltcupsaison. Im Spätherbst, wenn der erste Schnee fällt (oder künstlich produziert wird), pilgern AthletInnen und Fans aus aller Welt hierher. In Schweden hat der Biathlon eine große Fangemeinde, und SportlerIinnen wie Hanna Öberg, Sebastian Samuelsson oder früher Björn Ferry sind echte Stars. Der Sport genießt hohe mediale Aufmerksamkeit, besonders im Winter, wenn die Nation gemeinsam vor dem Fernseher mitfiebert. Die Verbindung aus Ausdauer, Präzision und Nervenstärke fasziniert auch viele junge Sportbegeisterte und Östersund ist für viele der Ausgangspunkt dieser Leidenschaft.
26.05.2025 Mariestad (Västra Götaland)
Heute früh bin ich nach der Nachtfahrt durch das Inland in Mariestad angekommen. Schon bei der Anfahrt wurde ich von einem traumhaften Blick auf den Vänern, den größten See Schwedens, empfangen. Mariestad liegt direkt am Ufer und wirkt wie ein Ort aus einem schwedischen Bilderbuch. Besonders beeindruckt hat mich die Gamla Stan, die Altstadt von Mariestad. Kopfsteinpflaster, charmante Holzhäuser in bunten Farben und kleine Gassen, die sich zwischen liebevoll gepflegten Gärten hindurchwinden. Hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Einige der Gebäude stammen noch aus dem 17. Jahrhundert und erzählen Geschichten aus einer längst vergangenen Zeit. Die Domkirche von Mariestad, ein imposantes Bauwerk im gotischen Stil, überragt die Altstadt und verleiht dem Ganzen eine majestätische Atmosphäre. Aber Mariestad ist mehr als nur seine Altstadt. Ich habe einen Spaziergang zum Hafen gemacht, der nur wenige Minuten vom Zentrum entfernt liegt. Dort trifft maritimes Flair auf entspannte Urlaubsstimmung. Kleine Segelboote schaukeln im Wasser. Auch die Innenstadt ist wirklich sehenswert. Sie verbindet traditionelle Architektur mit einem modernen, skandinavischen Lebensgefühl. Es gibt viele kleine Boutiquen, Cafés mit selbstgebackenen Leckereien und einladende Restaurants, die regionale Spezialitäten anbieten. Eine wirklich schöne kleine Stadt
26.05.2025 Kävsjön Store Mosse Nationalpark (Jönköping Småland)
Auf meiner Weiterreise gen Süden habe ich heute einen spontanen Halt im Store Mosse Nationalpark eingelegt und es war eine der sehr gute Entscheidung. Ursprünglich wollte ich mir nur kurz die Beine vertreten, doch die atemberaubende Landschaft hat mich schnell in ihren Bann gezogen. Um möglichst viel vom Store Mosse zu sehen, entschied ich mich für die rote Route, die sogenannte Kävsjön-Runde. Offiziell ist sie mit 12 Kilometer angegeben, doch durch einige zusätzliche Abstecher, unter anderem zu einem Vogelbeobachtungsturm, wurden es am Ende 14,5 Kilometer. Der Weg führte größtenteils über gut ausgebaute Holzbohlenstege und schmale Pfade durch eine faszinierende Moorlandschaft. Die Weite des Moors, durchzogen von kleinen Seen und Birkenwäldern, erinnert an die Wildnis Lapplands. So konnte ich auch die vergangenen Tage in Lappland noch einmal nachwirken lassen. Besonders beeindruckend ist der Stora Gungflyet, ein riesiger Schwingrasen im südöstlichen Teil des Sees Kävsjön, der sich je nach Wasserstand hebt und senkt. Der Store Mosse Nationalpark liegt in der Provinz Jönköping (Småland) zwischen den Gemeinden Gnosjö, Vaggeryd und Värnamo und erstreckt sich über etwa 7.740 Hektar. Er ist das größte zusammenhängende Moorgebiet Südschwedens und bietet eine beeindruckende Vielfalt an Flora und Fauna. Ein Highlight des Parks ist das moderne Besucherzentrum Naturum, das wie eine Brücke über das Moor gebaut ist. Mit seinen großen Panoramafenstern bietet es einen fantastischen Blick auf den See Kävsjön. Hier kann man nicht nur mehr über die Entstehung der Moore und die Tierwelt erfahren, sondern auch Teleskope zur Vogelbeobachtung nutzen. Ein wirklich beeindruckender Abstecher, der noch in einer ordentlichen Wanderung endete. Und auch hier war das Wetter auf meiner Seite.
26.05.2025 Malmö Luftkastellet Öresundbrücke (Skåne)
Hej då, hej då, Sverige! Jag kommer snart tillbaka!